Stellungnahme zur TAppo

Vorschlag für die Integration des Faches Epidemiologie in die Ausbildung in der Veterinärmedizin gemäß Tierärztlicher Approbationsordnung

vorgelegt von der Fachgruppe "Epidemiologie und Dokumentation" der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft
(Stand: 22. November 2005)

 


Epidemiologie als selbständiges Fach der tierärztlichen Ausbildung

Die Epidemiologie in der Veterinärmedizin beschäftigt sich mit der Untersuchung der Verteilung von Krankheiten, physiologischen Variablen und Krankheitsfolgen sowie dem Leistungsvermögen in Populationen und Beständen und mit den Faktoren, die diese Verteilung beeinflussen. Dazu gehören die Untersuchung der Krankheitsentwicklung sowie der Therapieerfolge in Tierpopulationen, Modellentwicklungen im Rahmen der präventiven Veterinärmedizin, die Erarbeitung von allgemeinen Strategien im Tiergesundheitswesen, aber auch die Durchführung von Systemanalysen in der Lebensmittelhygiene und damit die Entwicklung von Grundlagen für die Entscheidung über Maßnahmen zur Minimierung des Gesundheitsrisikos im Rahmen des Verbraucherschutzes.

Ausgehend von der klinischen Diagnose und Behandlung von Einzeltieren über die Gesundheit in Tierbeständen bis hin zur Gesundheit von ganzen Tierpopulationen kommt damit der Epidemiologie eine wesentliche Rolle bei der Diagnostik, dem Ableiten von Maßnahmen und der Entwicklung von Präventionstrategien für Krankheiten einschließlich der bekannten (Nutz-)Tierseuchen, Zoonosen und Produktionskrankheiten zu. Zudem kann die Epidemiologie als wesentlich für die Lebensmittelwissenschaften angesehen werden und stellt im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes die gesamte fachliche Basis der Risikoanalyse dar.

Aus diesen Gründen muß die Epidemiologie als selbständiges Fach innerhalb der veterinärmedizinischen Ausbildung aufgefasst werden.

Diese Auffassung spiegelt sich in vielfacher Hinsicht in den veterinärmedizinischen Ausbildungsgängen zahlreicher Länder wider, und die Infrastruktur der entsprechenden Ausbildungsstätten wurde entsprechend angepasst. So existieren dort meist in den Departementen für Nutztiere oder klinische Veterinärmedizin entsprechende Abteilungen für Epidemiologie, welche sich neben der Vermittlung der epidemiologischen und biostatistischen Grundlagen primär mit der Integration des Fachgebietes in der Produktion von Lebensmitteln tierischer Herkunft (gemäß der Leitlinie "gesunde Tiere, gesunde Lebensmittel"), der Tierseuchenüberwachung und den Bereichen Tierhaltung und Tierschutz befassen. Das European College (EC) hat dieser international etablierten Sichtweise schon im Jahr 2001 Rechnung getragen und den Europäischen Fachtierarzt (Diplomate) in Veterinary Public Health (ECVPH) begründet, der in den Schwerpunkten "Population Medicine" und "Food Science" wesentliche epidemiologische Qualifikationen integriert. An vielen deutschen Tierärztekammern wird mittleweile ein Fachtierarzt für Epidemiologie anerkannt.

Wenn die Ausbildung in der Veterinärmedizin in Deutschland auch weiterhin nicht an dieser wesentlichen Entwicklung vorbei gehen und damit mittel- und langfristig deutschen Tierärztinnen und Tierärzten nicht die berufliche Chancen vorenthalten will, so muß das Fach Epidemiologie eigenständig sichtbar in die Tierärztliche Ausbildung integriert werden.

 


 

Vorschlag für die Integration von Epidemiologie in die Tierärztliche Approbationsordnung

Es wird vorgeschlagen, einen eigenen Paragraphen 37 (oder ggf. 36a) "Epidemiologie" in die TAppO einzufügen. Die Beschreibung des Faches Epidemiologie könnte wie folgt lauten:

In dem Prüfungsfach Epidemiologie haben die Studierenden ihre Kenntnisse über die Methoden zur Ermittlung und Beschreibung kausaler Vernetzungen von Exposition und gesundheitsrelevanten Ereignissen nachzuweisen. Gegenstand der Prüfung sollten insbesondere die Überwachung und Auswertung von klinischen Studien, Entwicklung und Validierung diagnostischer Verfahren und deren Aussagekraft, die Stichprobenplanung, Vorkommen zoonotischer Erkrankungen in Beständen, Zusammenhänge zwischen Risikofaktoren und bestandsspezifischen Ereignissen, Sanierung von Beständen, Bekämpfungsstrategien, Überwachungsprogramme für Tierseuchen, geographische Informationssysteme, Tierseuchenmodelle und die Risikoanalyse sein.

Die Umsetzung eines solchen ergänzenden Paragraphen erscheint einfach möglich, denn durch die oben genannten Berührungspunkte zu anderen Fächern ist eine hohe Redundanz erzeugt, die durch geringfügige Kürzung dort direkt als Stundenkontingent erbracht werden kann. Diese Form der Intergration der Disziplin in die Tierärztliche Ausbildung erscheint wegen der Anwendung der Epidemiologie in vielen Fächern sehr effizient, denn die Epidemiologie ist nicht ein Gebiet innerhalb der Tierseuchenlehre oder eines ätiologischen Faches. In diesem Kontext wäre es auch wünschenswert, die im derzeitigen Entwurf der TappO (§ 27, 36 und Anlage 5) benutzten Bezeichnungen als "Infektionsepidemiologie" auf "Epidemiologie" umzuformulieren.

Einen Vorschlag für ein Curriculum des Faches wird derzeit durch die Fachgruppe Epidemiologie und Dokumentation der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft abgestimmt und liegt in Kürze vor.